Die Agrivoltaik verbindet landwirtschaftliche Produktion und Stromerzeugung auf derselben Fläche – ein Ansatz, der Flächeneffizienz und nachhaltige Energieerzeugung gleichermaßen steigert. Damit diese Systeme reibungslos funktionieren, spielt ein Aspekt eine zentrale Rolle: das richtige Kabelmanagement.
Besonders in modernen Agrivoltaik-Konzepten mit hohen Gestellstrukturen, bifacialen Modulen oder nachgeführten Systemen entstehen spezifische technische Anforderungen, die deutlich über klassische PV-Anlagen hinausgehen.
Im Gespräch erläutert Nataliia Khylko, Market Managerin für erneuerbare Energien, welche Herausforderungen dabei im Fokus stehen – und welche Lösungen langfristig überzeugen.
1. Welche besonderen Herausforderungen entstehen beim Kabelmanagement in Agrivoltaik-Anlagen?
Nataliia Khylko: „Eine der größten Besonderheiten sind bifaciale Solarmodule. Diese Module erzeugen Strom auf der Vorder- und Rückseite – genau dort, wo bei herkömmlichen Anlagen die Verkabelung verläuft. Jede Verschattung auf der Rückseite reduziert den Energieertrag. Entsprechend müssen Kabel so geführt werden, dass sie möglichst wenig Licht blockieren und dennoch sicher befestigt sind.
Ein weiterer Aspekt ist die Installation in größerer Höhe. Bei Agrivoltaik-Anlagen, die über hochwachsenden Kulturen wie Hopfen, Obstbäumen oder Wein angebracht werden, befinden sich die Module häufig 4 bis 8 Meter über dem Boden. Das erschwert die Montage und Wartung. Unsere Lösungen sind daher auf hohe Langlebigkeit und minimale Wartungsanforderungen ausgelegt – ein entscheidender Vorteil über die gesamte Lebensdauer der Anlage.“
2. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei der Materialauswahl?
Nataliia Khylko: „Nachhaltigkeit beginnt für uns beim Werkstoff. Wir setzen auf Polyamid 11 – einen leistungsstarken biobasierten Kunststoff. Er wird aus der Rizinuspflanze gewonnen, die auf nährstoffarmen Böden gedeiht und somit nicht mit dem Anbau von Lebensmitteln konkurriert.
Neben dem deutlich geringeren CO₂-Fußabdruck gegenüber konventionellen Kunststoffen wie PA 6.6 überzeugt Polyamid 11 durch seine hohe Beständigkeit. Dazu zählen eine ausgeprägte UV-Stabilität sowie Resistenz gegenüber landwirtschaftlichen Spritzmitteln. Diese Eigenschaften machen den Werkstoff ideal für langlebige Komponenten in anspruchsvollen Außenumgebungen.“
3. Wie verändert sich das Kabelmanagement in nachgeführten Agrivoltaik-Systemen?
Nataliia Khylko: „Nachgeführte Anlagen sind in vielerlei Hinsicht ein Fortschritt – sie optimieren Licht- und Wassermanagement und erhöhen den Energieertrag. Für das Kabelmanagement entsteht dadurch jedoch eine zusätzliche Dynamik: Die Module bewegen sich, und mit ihnen die Leitungen. Ohne geeignete Systeme kommt es schnell zu Belastungen durch Zug, Biegung oder Abrieb.
Wir entwickeln hierfür speziell angepasste Lösungen, die sich flexibel und sicher mitbewegen. Besonders an Übergängen wie Lagerböcken oder Antriebseinheiten ist das entscheidend, da hier die größten mechanischen Beanspruchungen auftreten. Genau an solchen Punkten zeigt sich, ob eine technische Lösung lediglich funktional ist – oder wirklich innovativ.“
Darauf kommt es bei zukünftigen Projekten an
Agrivoltaik stellt besondere Anforderungen an das Kabelmanagement: von der Verschattungsfreiheit über große Installationshöhen bis hin zu dynamischen Bewegungen in nachgeführten Systemen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Nachhaltigkeit, Materialqualität und langfristige Betriebssicherheit.
Mit optimierten Kabelmanagementlösungen lassen sich diese Herausforderungen zuverlässig bewältigen. Sie bieten eine nachhaltige, effiziente und zukunftssichere Basis für Agrivoltaik-Anlagen – unabhängig davon, ob sie über einem Apfelgarten stehen oder in acht Metern Höhe über Hopfenfeldern.